Deckungsbeitrag im Handwerk: So behältst du deine Gewinnmarge im Blick
Die Büroarbeit deines Handwerksbetriebs kostet dich viel Zeit und Nerven? Du fragst dich manchmal, warum am Ende des Monats trotz voller Auftragsbücher nichts mehr übrig bleibt? Dann wird es Zeit, dass du dich mit dem Deckungsbeitrag beschäftigst. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht – und es kann der Schlüssel zu mehr Gewinn in deinem Handwerksbetrieb sein.
Was ist der Deckungsbeitrag überhaupt?
Der Deckungsbeitrag zeigt dir, wie viel von deinem Umsatz nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt, um deine Fixkosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften. Einfach gesagt: Es ist das Geld, das dir nach einem Auftrag bleibt, bevor du deine laufenden Betriebskosten bezahlt hast.
Stell dir vor, du baust als Elektriker eine Ladestation für ein E-Auto ein. Du berechnest dem Kunden 2.500 Euro. Die Ladestation selbst kostet dich im Einkauf 1.200 Euro, das Material für die Installation 300 Euro. Dein Deckungsbeitrag liegt dann bei 1.000 Euro. Das ist der Betrag, der dir bleibt, um deine Werkstattmiete, Versicherungen, dein Gehalt und andere Fixkosten zu bezahlen.
Deckungsbeitrag vs. Gewinn – wo liegt der Unterschied?
Oft werden Deckungsbeitrag und Gewinn durcheinandergebracht. Der Unterschied ist aber wichtig: Der Deckungsbeitrag berücksichtigt nur die variablen Kosten eines Auftrags – also Material, Fremdleistungen oder projektbezogene Fahrtkosten. Der Gewinn entsteht erst, wenn du vom Deckungsbeitrag auch noch deine Fixkosten wie Büromiete, Versicherungen oder Gehälter abziehst.
Warum ist der Deckungsbeitrag für Handwerker so wichtig?
Vielleicht kennst du das: Du hast den ganzen Monat durchgearbeitet, die Auftragslage war gut, aber am Ende bleibt kaum etwas hängen. Genau hier hilft dir die Deckungsbeitragsrechnung weiter. Sie zeigt dir schwarz auf weiß, welche Aufträge sich wirklich lohnen und wo du möglicherweise draufzahlst.
Transparenz über deine Preisgestaltung
Mit dem Deckungsbeitrag erkennst du sofort, ob deine Preise stimmen. Aber Achtung: Der Deckungsbeitrag allein sagt noch nicht alles, denn entscheidend ist, ob er hoch genug ist, um auch deine Fixkosten anteilig zu decken. Wenn du merkst, dass bei bestimmten Auftragsarten kaum Deckungsbeitrag übrig bleibt, weißt du: Hier musst du deine Kalkulation überarbeiten. Vielleicht stimmt deine Kalkulation nicht, was die Zeit für die notwendigen Arbeiten angeht?
Bessere Entscheidungsgrundlage für Aufträge
Nicht jeder Auftrag ist gleich profitabel. Mit der Deckungsbeitragsrechnung kannst du verschiedene Aufträge vergleichen und entscheiden, welche sich wirklich lohnen. Gerade wenn du zwischen mehreren Projekten wählen musst, hilft dir der Deckungsbeitrag bei der Entscheidung.
Frühwarnsystem für finanzielle Probleme
Ein sinkender Deckungsbeitrag ist oft das erste Warnsignal, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht sind deine Materialkosten gestiegen, ohne dass du deine Preise angepasst hast. Je früher du solche Entwicklungen erkennst, desto schneller kannst du gegensteuern.
Wie berechnest du den Deckungsbeitrag richtig?
Die Berechnung des Deckungsbeitrags ist einfacher, als du denkst. Du brauchst nur zwei Zahlen:
Deckungsbeitrag = Umsatz - variable Kosten
Was zählt zu den variablen Kosten?
Variable Kosten sind alle Ausgaben, die direkt mit einem bestimmten Auftrag zusammenhängen. Dazu gehören:
Material und Werkstoffe: Alles, was du speziell für diesen Auftrag einkaufst
Fremdleistungen: Wenn du Subunternehmer beauftragst
Projektbezogene Fahrtkosten: Sprit und Maut für Fahrten zu diesem Kunden
Sonderanschaffungen: Spezialwerkzeug, das nur für diesen Auftrag nötig ist
Ein Praxisbeispiel aus dem Sanitärbereich
Du installierst ein neues Badezimmer. Dein Angebot liegt bei 15.000 Euro. Die Kosten sehen so aus:
Sanitärkeramik und Armaturen: 4.500 Euro
Fliesen und Verlegematerial: 2.000 Euro
Rohre, Anschlüsse, Kleinmaterial: 800 Euro
Fliesenleger als Fremdleistung: 3.200 Euro
Fahrtkosten: 200 Euro
Variable Kosten gesamt: 10.700 Euro
Dein Deckungsbeitrag: 15.000 Euro – 10.700 Euro = 4.300 Euro
Diese 4.300 Euro stehen dir zur Verfügung, um deine Fixkosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften. Jetzt wird's spannend: Reicht das?
So rechnest du es aus: Du hast für das Badezimmer 40 Stunden gearbeitet. Deine monatlichen Fixkosten (Werkstatt, Versicherungen, dein Gehalt etc.) betragen 6.000 Euro. Bei 100 produktiven Stunden pro Monat ergäbe das einen Fixkostensatz von 60 Euro pro Stunde.
Für diesen Auftrag fallen also anteilige Fixkosten von 40 Stunden × 60 Euro = 2.400 Euro an.
Dein tatsächlicher Gewinn: 4.300 Euro (Deckungsbeitrag) – 2.400 Euro (anteilige Fixkosten) = 1.900 Euro Gewinn
Das entspricht 47,50 Euro Gewinn pro Arbeitsstunde – eine solide Marge.
Aber Vorsicht: Hätte der Auftrag 60 Stunden gedauert, wären die anteiligen Fixkosten 3.600 Euro gewesen – und dein Gewinn nur noch 700 Euro. Das sind 11,67 Euro pro Stunde. Der gleiche Auftrag, der gleiche Preis, aber ein völlig anderes Ergebnis.
| Was bleibt hängen? |
Szenario A | Szenario B | |
|---|---|---|---|
| Angebotspreis (netto) | 15.000 € | 15.000 € | |
| Sanitärkeramik und Armaturen | 4.500 € | 4.500 € | |
| - Fliesen und Verlegematerial | 2.000 € | 2.000 € | |
| - Rohre, Anschlüsse, Kleinmaterial | 800 € | 800 € | |
| - Fliesenleger (Fremdleistung) | 3.200 € | 3.200 € | |
| - Fahrtkosten | 200 € | 200 € | |
| =Summe variable Kosten | 10.700 € | 10.700 € | |
| Deckungsbeitrag | 4.300 € | 4.300 € | |
| DB in & vom Angebotspreis | 28.7 % | 28.7 % | |
| Was kostet mich eine Stunde? | |||
| Monatliche Fixkosten | 6.000 € | 6.000 € | |
| Produktive Stunden / Monat | 100 | 100 | |
| Fixkostensatz / Stunde | 60.00 € | 60.00 € | |
| Reicht das? | 40 Stunden | 60 Stunden | |
| Geleistete Stunden (Auftrag Badezimmer) | 40 | 60 | |
| Anteilige Fixkosten | 2.400 € | 3.600 € | |
| Deckungsbeitrag | 4.300 € | 4.300 € | |
| - Anteilige Fixkosten | 2.400 € | 3.600 € | |
| Gewinn | 1.900 € | 700 € | |
| Gewinn / Stunde | 47.50 € | 11.67 € | |
| Gewinnmarge | 12.7 % | 4,7% |
Was sind produktive Stunden?
Produktive Stunden sind die Stunden, die du von deiner Arbeitszeit pro Monat tatsächlich auf Kundenprojekten arbeiten und beim Kunden abrechnen kannst.
Eben haben wir die monatlichen Fixkosten auf produktive Stunden umgerechnet. Das ist sinnvoll, um verstehen zu können, wie viel vom Deckungsbeitrag tatsächlich übrig bleibt. Deine monatlichen Fixkosten fallen an, egal, ob du produktiv für Kunden arbeitest oder nicht. Mit der Umrechnung auf produktive Stunden kannst du ungefähr abschätzen, wie viel du in diesen Stunden verdienen musst, um deine Kosten zu decken und idealerweise noch Gewinn zu machen.
Alle Arbeitszeit, die du dem Kunden nicht in Rechnung stellen kannst, gehört nicht zur produktiven Zeit. Nicht produktiv ist also zum Beispiel jene Zeit, die du im Baumarkt oder bei der Materialbeschaffung verbringst, aber insbesondere auch die Fahrtzeit, Kundentelefonate oder alle Zeit, die du im Büro damit verbringst, Angebote zu schreiben, die Buchhaltung zu erledigen oder dich mit deinem Steuerberater auszutauschen.
Das bedeutet einerseits, dass du dies in deine Kalkulation für die Fahrtkosten und deinen Aufschlag beim Material einfließen lassen solltest. Und außerdem ist es empfehlenswert, deine nicht-produktive Zeit im Büro möglichst effektiv zu gestalten, etwa durch den Einsatz einer modernen .
Der Deckungsbeitrag pro Stunde
Besonders aufschlussreich ist der Deckungsbeitrag pro Arbeitsstunde. Wenn du für das Badezimmer 40 Stunden gebraucht hast, liegt dein Deckungsbeitrag bei 107,50 Euro pro Stunde (4.300 Euro ÷ 40 Stunden).
Jetzt kannst du überlegen: Reicht das, um deine Fixkosten zu decken? Zu deinen Fixkosten pro Stunde gehören nicht nur Werkstatt, Versicherungen und laufende Kosten, sondern auch dein kalkulatorisches Gehalt und die Löhne deiner Mitarbeiter.
Ein realistisches Beispiel: Wenn deine Fixkosten pro Arbeitsstunde insgesamt 70 Euro betragen (inklusive deinem Unternehmerlohn von beispielsweise 40 Euro pro Stunde plus 30 Euro für Werkstatt, Versicherungen etc.), bleiben dir noch 37,50 Euro Gewinn pro Stunde. Das ist eine solide Marge.
Wichtig: Die 70 Euro Fixkosten müssen bereits dein Gehalt enthalten, sonst arbeitest du umsonst. Der Gewinn von 37,50 Euro ist dann der echte Überschuss, den dein Betrieb erwirtschaftet (den du aber auch z.B. für Rücklagen benötigst).
Fixkosten richtig erfassen – die größte Herausforderung
Die Berechnung der variablen Kosten ist meist noch überschaubar. Die echte Herausforderung liegt bei den Fixkosten. Viele Handwerker unterschätzen, wie hoch ihre monatlichen Fixkosten wirklich sind.
Was gehört zu den Fixkosten?
Zu den Fixkosten zählen alle wiederkehrenden Ausgaben, die unabhängig von deinen Aufträgen anfallen, also auch dann entstehen würden, wenn ihr nur in der Werkstatt auf neue Kunden warten würdet:
Miete für Werkstatt und Büro
Versicherungen (Betriebshaftpflicht, Berufsgenossenschaft)
Leasingraten für Fahrzeuge
Gehälter (auch dein eigenes!)
Telefon, Internet, Software-Abos
Steuerberater und Buchhaltung
Kreditzinsen
Abschreibungen auf Werkzeug und Maschinen
So ermittelst du deine monatlichen Fixkosten
Nimm dir einen ruhigen Nachmittag Zeit und liste alle deine monatlichen Ausgaben auf. Rechne auch die, die nur einmal im Jahr anfallen, wie Versicherungen oder Kfz-Steuer, auf den Monat um.
Nimm dir zum Beispiel die Rechnungen des vergangenen Jahres vor oder schau die Kontoauszüge der letzten 12 Monate durch – so bekommst du zuverlässig einen guten Überblick über die tatsächlich angefallenen Kosten.
Du wirst überrascht sein, wie schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen. Ein typischer Ein-Mann-Betrieb im Elektrohandwerk hat oft Fixkosten zwischen 4.000 und 6.000 Euro pro Monat. Bei größeren Betrieben mit Mitarbeitern können es schnell mehrere Zehntausend Euro oder mehr sein.
Herausforderungen im Handwerkeralltag: Wenn sich die Kosten ständig ändern
Die Theorie klingt gut, aber im Handwerkeralltag gibt es einige Stolpersteine, die die Deckungsbeitragsrechnung zur Herausforderung machen.
Schwankende Materialpreise
Du kennst das sicher: Die Preise für Baumaterial, Holz oder Kupfer ändern sich ständig. Was gestern noch 100 Euro gekostet hat, kostet heute vielleicht 120 Euro. Wenn du dein Angebot vor drei Monaten geschrieben hast und jetzt erst mit der Arbeit beginnst, kann dein kalkulierter Deckungsbeitrag schnell dahinschmelzen und deine Wirtschaftlichkeit leiden.
Tipp: Nimm in deine Angebote eine Klausel auf, dass die Preise bei Materiallieferung gelten. Oder arbeite mit einem Puffer von 5-10 Prozent bei den Materialkosten. Bei größeren Projekten kannst du auch eine Preisgleitklausel vereinbaren.
Spritpreise und Fahrtkosten
Die Fahrtkosten sind ein weiterer unsicherer Faktor. Wenn du für einen Auftrag mehrmals zur Baustelle fahren musst, können schwankende Spritpreise deinen Deckungsbeitrag beeinflussen. Gerade bei Projekten, die sich über Wochen oder Monate ziehen, summiert sich das.
Tipp: und führe ein Fahrtenbuch. So siehst du schwarz auf weiß, was dich die Fahrten wirklich kosten. Mit einem modernen kannst du solche Kosten automatisch erfassen und in deine Kalkulation einfließen lassen.
Zeitaufwand wird oft unterschätzt
Hand aufs Herz: Wie oft hast du schon gedacht "Das mache ich in drei Stunden" und am Ende waren es sechs? Wenn du den Zeitaufwand unterschätzt, sinkt dein Deckungsbeitrag pro Stunde dramatisch.
Tipp: Führe für verschiedene Standardarbeiten eine Liste, wie lange du tatsächlich brauchst. Nach ein paar Monaten siehst du Muster und kannst realistischer kalkulieren. Die hilft dir dabei, aus jedem Auftrag zu lernen.
Unvorhergesehene Zusatzkosten
Auf der Baustelle läuft selten alles nach Plan. Mal ist die Wand nicht so beschaffen wie gedacht, mal brauchst du zusätzliches Material, mal musst du einen Spezialisten hinzuziehen. Solche unvorhergesehenen Kosten fressen deinen Deckungsbeitrag auf.
Tipp: Plane immer einen Puffer ein, sowohl zeitlich als auch finanziell. Mit etwas Erfahrung wirst du gut abzuschätzen lernen, wie groß dieser Puffer sein sollte; mit etwa 10% fährst du wahrscheinlich nicht schlecht. Bei Altbausanierungen solltest du besonders vorsichtig kalkulieren. Und: Dokumentiere notwendige, aber unerwartete Zusatzleistungen sofort und stimme sie mit dem Kunden ab. So kannst du sie später auch abrechnen.
So optimierst du deinen Deckungsbeitrag
Jetzt weißt du, was der Deckungsbeitrag ist und wie du ihn berechnest. Aber wie kannst du ihn verbessern? Hier sind die wichtigsten Stellschrauben für dein Unternehmen:
1. Materialkosten senken – aber smart
Natürlich kannst du versuchen, beim Material zu sparen. Aber Vorsicht: Billigmaterial führt oft zu Reklamationen und kostet dich am Ende mehr, als du gespart hast. Besser ist es, Rahmenverträge mit Lieferanten auszuhandeln oder bei größeren Mengen Rabatte zu verhandeln.
Prüfe auch, ob du Material zu oft "auf Verdacht" kaufst und dann doch nicht brauchst. Jedes Teil, das im Lager verstaubt, kostet dich Geld.
2. Effizienter arbeiten
Je schneller du einen Auftrag abschließt, desto höher ist dein Deckungsbeitrag pro Stunde. Das heißt nicht, dass du schludrig arbeiten sollst – im Gegenteil. Aber überlege, wo du Arbeitsabläufe optimieren kannst:
Hast du das richtige Werkzeug griffbereit?
Sind alle Materialien vor Ort, bevor du anfängst?
Kannst du bestimmte Arbeitsschritte standardisieren?
Lohnt sich die Anschaffung einer Maschine, die dir Zeit spart?
3. Preise realistisch kalkulieren
Viele Handwerker kalkulieren zu knapp, weil sie Angst haben, den Auftrag zu verlieren. Aber ein Auftrag, der dir keinen ausreichenden Deckungsbeitrag bringt, schadet mehr, als er nützt. Du arbeitest, verdienst aber nichts.
Nutze einen , der alle Kosten realistisch abbildet. Und hab keine Angst vor fairen Preisen – gute Arbeit hat ihren Wert.
4. Die richtigen Aufträge annehmen
Nicht jeder Auftrag ist gleich profitabel. Mit der Deckungsbeitragsrechnung kannst du verschiedene Auftragsarten vergleichen. Vielleicht merkst du, dass kleine Reparaturaufträge einen viel geringeren Deckungsbeitrag haben als größere Projekte, weil die Anfahrt und Einrichtung verhältnismäßig viel Zeit kostet.
Das heißt nicht, dass du kleine Aufträge grundsätzlich ablehnen sollst. Aber du kannst sie anders kalkulieren, zum Beispiel mit einer Mindestpauschale für Anfahrt und Einrichtung.
5. Zusatzleistungen anbieten
Oft lässt sich der Deckungsbeitrag steigern, indem du dem Kunden Zusatzleistungen anbietest. Wenn du sowieso schon vor Ort bist, kostet dich eine zusätzliche Arbeit weniger Zeit als ein separater Auftrag. Der Kunde spart sich einen weiteren Termin, du erhöhst deinen Deckungsbeitrag – eine Win-win-Situation.
6. Nachkalkulieren und lernen
Der wichtigste Tipp zum Schluss: Führe für jeden größeren Auftrag eine durch. Vergleiche, was du kalkuliert hast, mit dem, was tatsächlich angefallen ist. Wo lagen deine Schätzungen richtig, wo hast du dich verschätzt? Nur wenn du aus jedem Auftrag lernst, wirst du mit der Zeit immer besser kalkulieren.
Deckungsbeitragsrechnung vs. Vollkostenrechnung – was ist besser?
Vielleicht hast du schon von der Vollkostenrechnung gehört. Dabei werden alle Kosten, also auch die Fixkosten, auf die einzelnen Aufträge verteilt. Jeder Auftrag trägt anteilig zur Deckung der Gemeinkosten bei.
Die Vollkostenrechnung im Handwerk
Bei der Vollkostenrechnung rechnest du deine gesamten Fixkosten auf deine produktiven Arbeitsstunden um. Wenn deine monatlichen Fixkosten 5.000 Euro betragen und du 100 produktive Stunden im Monat hast, musst du pro Stunde 50 Euro für Fixkosten einkalkulieren.
Das klingt erstmal logisch, hat aber einen Haken: Du weißt nie genau, wie viele Aufträge du im Monat haben wirst. Wenn du weniger Aufträge hast als geplant, sind deine Fixkosten pro Auftrag höher. Wenn du mehr Aufträge hast, sinken sie.
Warum die Deckungsbeitragsrechnung flexibler ist
Die Deckungsbeitragsrechnung trennt klar zwischen variablen und fixen Kosten. Das hat mehrere Vorteile:
Flexibilität bei der Preisgestaltung: Du siehst sofort, welchen Mindestpreis du ansetzen musst, um die direkten Kosten zu decken. Wenn du in einer Auftragsflaute bist, kannst du auch mal einen Auftrag mit geringerem Deckungsbeitrag annehmen, Hauptsache, er trägt etwas zu deinen Fixkosten bei.
Bessere Vergleichbarkeit: Du kannst verschiedene Auftragsarten direkt vergleichen, ohne dass die Fixkostenverteilung das Bild verzerrt.
Schnellere Entscheidungen: Du musst nicht erst kompliziert rechnen, sondern siehst auf einen Blick: Lohnt sich dieser Auftrag oder nicht?
Der Gesamtdeckungsbeitrag zeigt das große Bild
Am Ende des Monats oder Jahres addierst du alle Deckungsbeiträge zum Gesamtdeckungsbeitrag. Von diesem ziehst du deine Fixkosten ab – und schon siehst du deinen tatsächlichen Gewinn.
Gesamtdeckungsbeitrag - Fixkosten = Gewinn
Wenn dein Gesamtdeckungsbeitrag höher ist als deine Fixkosten, machst du Gewinn. Wenn er niedriger ist, schreibst du rote Zahlen, selbst wenn du viel gearbeitet hast.
Stundensatz und Gewinnzuschlag richtig kalkulieren
Ein häufiger Fehler: Viele Handwerker kalkulieren ihren Stundensatz zu niedrig, weil sie nur an die direkten Kosten denken. Aber dein Stundensatz muss mehr leisten:
Variable Kosten decken (Material, Fahrtkosten etc.)
Anteil an den Fixkosten erwirtschaften
Gewinnmarge ermöglichen
Puffer für Unvorhergesehenes bieten
So berechnest du deinen Mindeststundensatz
Rechne deine monatlichen Fixkosten zusammen und teile sie durch deine realistisch produktiven Arbeitsstunden. Wenn deine Fixkosten 5.000 Euro betragen und du 100 Stunden produktiv arbeiten kannst, brauchst du mindestens 50 Euro pro Stunde – nur um die Fixkosten zu decken!
Dazu kommen noch:
Dein eigenes Gehalt (wenn nicht schon in den Fixkosten enthalten)
Ein Gewinnzuschlag von mindestens 10-20 Prozent
Puffer für Urlaub, Krankheit, Auftragsflauten
Realistisch solltest du als Handwerker mit einem Stundensatz von mindestens 60-80 Euro kalkulieren – je nach Gewerk und Region auch deutlich mehr.
Gewinnmarge im Blick behalten
Der Deckungsbeitrag ist wichtig, aber am Ende zählt der Gewinn. Deine Gewinnmarge zeigt dir, wie viel vom Umsatz wirklich als Gewinn übrig bleibt:
Gewinnmarge = (Gewinn ÷ Umsatz) × 100
Du benötigst deinen Gewinn für Rücklagen, damit du Investitionen in dein Unternehmen vornehmen oder unvorhergesehene Ausgaben bezahlen kannst – generell für alle Aufwände, die du in den Fixkosten noch nicht berücksichtigt hast, weil sie nicht regelmäßig auftreten. Eine gesunde Gewinnmarge im Handwerk liegt zwischen 10 und 20 Prozent. Wenn du merkst, dass deine Gewinnmarge dauerhaft darunter liegt, musst du handeln:
Preise erhöhen
Kosten senken
Effizienter arbeiten (zum Beispiel durch konsequente )
Unrentable Auftragsarten aussortieren
Praxistipps: So behältst du den Überblick
Die Theorie ist das eine – aber wie setzt du das im hektischen Handwerksalltag um? Hier ein paar praktische Tipps für Unternehmen:
1. Digitale Helfer nutzen
Schluss mit Zettelwirtschaft und Excel-Chaos. Ein modernes berechnet dir den Deckungsbeitrag automatisch. Du gibst deine Kosten ein, das Programm zeigt dir sofort, ob sich der Auftrag lohnt.
Mit Bosch OfficeOn hast du alle Zahlen im Blick – vom Angebot über die Auftragsabwicklung bis zur Nachkalkulation. So siehst du jederzeit, wo du stehst, ohne stundenlang zu rechnen.
2. Regelmäßig auswerten
Nimm dir einmal im Monat eine Stunde Zeit und schau dir deine Zahlen an:
Wie hoch war mein Gesamtdeckungsbeitrag?
Welche Aufträge waren besonders profitabel?
Wo habe ich mich verkalkuliert?
Sind meine Fixkosten gestiegen?
Diese monatliche Routine gibt dir ein Gefühl für deine Zahlen und hilft dir, Trends frühzeitig zu erkennen.
3. Realistische Zeiterfassung
Erfasse ehrlich, wie lange du wirklich für einen Auftrag brauchst. Viele Handwerker schummeln hier und wundern sich dann, warum die Rechnung nicht aufgeht. Nur mit realistischen Zeiten kannst du deinen Deckungsbeitrag pro Stunde korrekt berechnen.
4. Material sofort erfassen
Notiere jedes Material, das du für einen Auftrag kaufst, sofort. Wenn du das erst Wochen später machst, vergisst du garantiert etwas und dein kalkulierter Deckungsbeitrag stimmt nicht mehr.
5. Aus Fehlern lernen
Jeder Auftrag, bei dem der Deckungsbeitrag niedriger war als geplant, ist eine Lernchance. Analysiere, woran es lag:
Habe ich zu wenig Zeit kalkuliert?
Waren die Materialkosten höher als gedacht?
Gab es unvorhergesehene Probleme?
Diese Erkenntnisse fließen in deine nächste Kalkulation ein, sodass du mit jedem Auftrag besser wirst.
Selbstkosten richtig ermitteln
Um deinen Deckungsbeitrag sinnvoll nutzen zu können, musst du deine Selbstkosten kennen. Die Selbstkosten sind alle Kosten, die für die Erstellung deiner Leistung anfallen – also variable Kosten plus anteilige Fixkosten.
Selbstkosten = Variable Kosten + anteilige Fixkosten
Wenn du deine Selbstkosten kennst, weißt du genau, welchen Mindestpreis du verlangen musst, um kostendeckend zu arbeiten. Alles darüber ist dein Gewinn.
Beispielrechnung Selbstkosten
Nehmen wir an, du baust als Schreiner eine Einbauküche:
Variable Kosten:
Material (Korpusse, Fronten, Beschläge): 3.500 Euro
Arbeitsplatten: 1.200 Euro
Elektrogeräte: 2.800 Euro
Kleinmaterial: 300 Euro
Summe variable Kosten: 7.800 Euro
Anteilige Fixkosten:
Arbeitszeit: 50 Stunden × 60 Euro Fixkosten pro Stunde = 3.000 Euro
Selbstkosten gesamt: 10.800 Euro
Wenn du 12.000 Euro berechnest, bleibt dir ein Gewinn von 1.200 Euro – das entspricht einer Gewinnmarge von etwa 14 Prozent. Das ist solide, aber nicht üppig.
Typische Fehler bei der Deckungsbeitragsrechnung
Auch erfahrene Handwerker machen bei der Deckungsbeitragsrechnung immer wieder dieselben Fehler. Hier die häufigsten:
Fehler 1: Fixkosten als variable Kosten behandeln
Deine Werkstattmiete ist keine variable Kosten, auch wenn du sie gerne auf einzelne Aufträge umlegen möchtest. Fixkosten bleiben Fixkosten, sie fallen an, egal ob du einen oder zehn Aufträge hast.
Fehler 2: Die eigene Arbeitszeit vergessen
Deine Arbeitszeit kostet Geld, auch wenn du Inhaber bist. Kalkuliere deine Zeit immer mit ein, sonst arbeitest du am Ende umsonst.
Fehler 3: Zu optimistisch kalkulieren
"Das Material kostet höchstens 500 Euro" – und dann stehst du an der Kasse mit einer Rechnung über 650 Euro. Oder du denkst, die Anfahrt lohnt sich kaum zu kalkulieren, und fährst am Ende fünfmal hin und her.
Viele Unternehmen kalkulieren zu knapp, weil sie im Kopf vom Idealfall ausgehen. Aber auf der Baustelle läuft selten alles glatt. Sei realistisch bei deinen Schätzungen und plane Puffer ein, bei Material, Fahrtkosten und allem, was schiefgehen kann. Lieber positiv überrascht werden als am Ende draufzahlen.
Fehler 4: Kleinkosten ignorieren
Die Fahrt zum Baumarkt, das Telefonat mit dem Kunden, die Zeit für die Rechnungsstellung – all das sind Kosten, die oft vergessen werden.
Wichtig zu unterscheiden: Die Fahrt zum Baumarkt für Material gehört zu den variablen Kosten des Auftrags. Die Zeit für Büroarbeit und Kundenkommunikation steckt dagegen in deinen Fixkosten, vorausgesetzt, du hast sie realistisch kalkuliert. Gerade diese Kleinigkeiten summieren sich und fressen deinen Deckungsbeitrag auf.
Fehler 5: Keine Nachkalkulation durchführen
Ohne lernst du nichts aus deinen Aufträgen. Du wiederholst dieselben Fehler immer wieder und wunderst dich, warum dein Gewinn nicht steigt.
Fazit: Der Deckungsbeitrag als Kompass für deinen Betrieb
Der Deckungsbeitrag ist kein theoretisches Konstrukt für Betriebswirte, sondern ein praktisches Werkzeug, das dir im Handwerkeralltag echte Vorteile bringt. Er zeigt dir, welche Aufträge sich lohnen, wo du deine Preise anpassen musst und ob dein Betrieb profitabel arbeitet.
Ja, es kostet etwas Zeit, sich mit Deckungsbeitragsrechnung, Fixkosten und Gewinnmargen zu beschäftigen. Aber diese Zeit ist gut investiert, denn sie hilft dir, mehr Geld zu verdienen und deinen Betrieb auf solide Füße zu stellen.
Mit den richtigen digitalen Helfern wird die Deckungsbeitragsrechnung zum Kinderspiel und die Wirtschaftlichkeit deines Betriebs ist gewährleistet. unterstützt dich dabei, deine Kosten im Blick zu behalten, realistische Angebote zu schreiben und aus jedem Auftrag zu lernen. So bleibt dir mehr Zeit für das, was du am besten kannst: dein Handwerk.
Fang heute an, deine Aufträge genauer unter die Lupe zu nehmen. Berechne den Deckungsbeitrag für deine letzten drei Aufträge – du wirst überrascht sein, was du dabei lernst. Und dann nutze dieses Wissen, um deinen Betrieb noch erfolgreicher zu machen.
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